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Lob der engen Umarmung

Berlin Tango Vibes heißt einer der aktuell interessantesten Blogs zum Tango argentino. Betrieben wird er von drei Frauen, Stefanie, Laura und Anke. Wer welchen Beitrag schreibt, wird nicht verraten, so weiß ich auch nicht, wer von den dreien den Beitrag “30 Euro für 30 Sekunden” geschrieben hat.

Der Artikel erzählt von einem Workshop bei einem offensichtlich argentinischen Maestro. Die Autorin und ihr Partner kriegen eine Figur, die sie tanzen sollen, nicht richtig hin. Der Maestro sieht das und zeigt ihnen alles noch einmal. Und dann tanzt er mit ihr. Sie schreibt:

“Er umarmt mich jetzt enger, ich spüre seinen Atem, seinen Herzschlag. Ich habe das Gefühl, die Vorderseiten unserer Brustkörbe verschmelzen miteinander. Nicht mehr zwei, sondern eins. Hilfe, ist das schön.”

Lesen Sie den Artikel, und Sie werden die ganze Begeisterung spüren. Die Autorin schließt mit folgenden Worten:

“30 Euro hat der Workshop gekostet, das macht ca. 1 Euro pro Sekunde mit ihm. Es war jeden Cent wert.”

Ich habe mich nach der Lektüre gefragt, ist die argentinische Umarmung tatsächlich so viel anders als die deutsche?

Als ich zuletzt in Buenos Aires war, tanzte ich mit einigen Argentinierinnen. “Mas marca, por favor”, hörte ich da oft, ich sollte deutlicher zeigen, was ich tanzen wollte. Tatsächlich meinten sie vor allem, ich sollte enger tanzen, sie fester umarmen, jedenfalls fester, als ich es in Deutschland gewohnt bin.

Jetzt, nach der Lektüre des Tango-Vibes-Artikels, frage ich mich: Tanzen wir, tanze ich zu lasch? Ich werde es ausprobieren. Mal sehen, wie die Chicas reagieren, wenn ich etwas argentinischer zupacke.

Veröffentlicht in Blog Reisen Tanz

2 Kommentare

  1. Danke für den schönen Artikel. Ja, er war in der Tat Argentinier. Interessante Frage, ob “die Europäer” zu lasch tanzen bzw. umarmen. Tatsächlich war mein erster Gedanke, als ich nach meinem Buenos Aires Trip wieder in Berlin tanzen war: “Hach, die Umarmungen sind einfach nicht die gleichen.” Ich weiß nicht, ob es wirklich zu lasch ist, aber die Umarmung ist hier tatsächlich manchmal mehr Mittel zum Zweck und nicht Hauptsache des Tanzes und ja, die Umarmung darf für meinen Geschmack ruhig etwas fest sein – was mir übrigens neben den Argentiniern auch bei Türken im Positiven auffällt. Nur bitte nicht den Arm am Rücken der Dame zu starr und flexibel, denn das ist wirklich unangenehm. Besonders schön, finde ich persönlich das Wechselspiel aus etwas mehr Distanz und flexibler Umarmung für komplexe Figuren und viel Nähe und feste Umarmung zum Gehen oder Stehen oder für kleine Elemente. Und ist es nicht irgendwas mit das Faszinierendste am Tango, dass man quasi eine Lebenszeit damit verbingt, die perfekte Umarmung zu suchen.

  2. Edgar

    “Und ist es nicht irgendwas mit das Faszinierendste am Tango, dass man quasi eine Lebenszeit damit verbingt, die perfekte Umarmung zu suchen.” – Ja, das ist es. Abrazos aus Köln nach Berlin.

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