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Hier laden auch Frauen Männer ein

Nina George, Bestseller-Autorin (“Das Lavendelzimmer”) und Tango-Tänzerin, die in Berlin und in der Bretagne lebt, schreibt über ihre Erfahrungen auf Milongas:

Im traditionellen Tango Argentino warten die Folgenden (meist: Frauen) auf die Einladung oder Aufforderung des Herren, der Gauchos, des Kavaliers.

Mitunter kann es passieren, dass ich mehrere Tandas lang da sitze und warte, oder, wenn ich einen Cabeceo (das Fragen mit den Augen) beginne, dass der Herr wegschaut (erst vorgestern Abend bei einer Milonga passiert; kein Drama, nur wenn es dreimal hintereinander mit demselben Herrn geschieht und ich mir die Augen ausplinkere – er war schön groß und konnte was – , kann man sich schon schön blöd fühlen.

Heureusement traf ich genügend wunderbare andere Tänzer, die weniger arrogant waren. Aber das Sitzengelassenwerden, das Wartensollen ist ein heikles, durchaus großes Thema bei uns Tangueras. Wir sind stolze Königinnen, die Lust haben auf ein gemeinsames, angenehmes Erlebnis, und wollen den Abend nicht in Wartestellung verbringen (aber auch nicht in einen Wettstreit der Koketterie treten).

Der Tanguero Yann Lohr schlug bereits 2015 vor, das zu ändern und fordert die Tangowelt auf, das Recht zu tanzen paritätischer zu gestalten. Auch Frauen sollen einladen und die Initiative übernehmen.

Ich tanze hier in der Bretagne mehrmals die Woche; am Donnerstag immer abends in der Bar Ruz Boutou. Dort hängt ein Schild an der Wand, das besagt: “Hier laden auch Frauen Männer ein”.
Das Tangoabendland ging davon bisher nicht unter.

Und meine Meinung dazu? Ich mag den Cabeceo, das stille Einladen mit der Augen, weil so allen Beteiligten Peinlichkeiten erspart werden. Allerdings: Die Tango-Tänzer etwa in Buenos Aires sind so schnell, dass ich kaum mitkomme. Außerdem bin ich kurzsichtig, was beim “schöne Augen machen” nicht hilfreich ist.

Tatsächlich kenne ich aber einige Milongas in Deutschland und in den Niederlanden, wo es überhaupt kein Problem ist, dass auch die Frauen zum Tanze bitten.

Einmal, ich glaube, es war in Amsterdam, bekam jede Tänzerin und jeder Tänzer am Eingang einen Button, mit dem er/sie signalisieren konnte, dass jeder Tanz angenommen werden würde. Das ist sehr hilfreich, auch, wenn man als Paar unterwegs ist und die anderen fälschlicherweise annehmen, man tanze nur mit seinem Partner.

Ja, ich denke, es ist Zeit für diese Revolution auch im Tango. Davon geht nicht nur die Welt nicht unter, das macht jede Milonga um so spannender.

Veröffentlicht in Blog Tanz

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