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Auf der Suche nach einer Tango-Kurzschrift

Gibt es eine Möglichkeit, Tango-Schritte auf eine einfache Art zu notieren, sodass man nachschlagen kann, was man wann, wo und bei wem gelernt oder selbst gefunden hat? Diese Frage beschäftigt mich seit langem, weil ich zu den Menschen gehöre, die sich gerne Notizen machen und/oder aus Büchern lernen.

Wenn ich Maestros und Maestras gefragt habe, bekam ich nur ausweichende Antworten. Sie benötigten keine Kurzschrift, sondern wüssten Bescheid, wenn sie die korrekten Begriffe benutzten. Außerdem könnte ich ja YouTube-Videos anschauen.

Auf Websites im Internet habe ich nichts gefunden, das mich wirklich überzeugen konnte. Hier einige der getesteten Seiten:
Manuel Bodirskys LIX-System
Tango-Notation von Thomas Rasche
Peter Forrets Tangotation

Ingo Turski hat auf seinem Blog viele Tanzschritte notiert, auch für den Tango argentino, er nutzt eine eigene Methode aus Abkürzungen und Beschreibungen: Ingo Turskis Tango-Schritte. Ein interessanter und verständlicher Ansatz.

Ich wollte aber mehr. Also ging ich daran, eine Art Kurzschrift zu entwickeln. Mein System sollte folgende Bedingungen erfüllen:
1. Es sollte zunächst ein System für mich sein, also den Führenden. Es sollte aber auch möglich sein, die Bewegungen der Folgenden zu notieren.
2. Es sollte Symbole nutzen, die über eine normale Computer-Tastatur erreichbar sind.
3. Es sollte sich vor allem an spanische, englische und ggf. auch deutsche Begriffe anlehnen.
4. Es sollte prinzipiell in der Lage sein, alle möglichen Bewegungen und die nötige Technik zu erfassen.

Im Laufe der letzten Jahre habe ich viele Änderungen vorgenommen, weil neue Elemente hinzukamen und weil es nötig war, zusätzliche Hinweise aufzunehmen.

Inzwischen habe ich für mich eine Kurzschrift gefunden, die meine Bedürfnisse weitgehend erfüllt. Über die jeweils aktuelle Version informiere ich auf abrazos.de auf der Seite Tango-Notation. Dort werde ich Stück für Stück auch zeigen, wie ich meine Kurzschrift anwende. Erste Beispiele (mit Erläuterungen) sind dort zu finden.

Wie haltet ihr es mit dem Thema? Macht ihr euch Notizen? In welcher Form? Hinweise und Kommentare sind sehr willkommen.

Hier findet Ihr meine Tango-Notation.

Veröffentlicht in Blog Reisen Tanz

7 Kommentare

  1. M.B.

    Hallo Edgar,
    Deinen Wunsch:
    »…sodass man nachschlagen kann, was man wann, wo und bei wem gelernt oder selbst gefunden hat?«
    halte ich aus meiner derzeitigen Perspektive für unerfüllbar.
    Aber natürlich ist mir Dein Wunsch verständlich – deswegen will ich Dir Deine Versuche auch nicht ausreden.

    Zu welchem Zeitpunkt hat man denn einen Schritt „gelernt“?
    Selbst wenn ich mir „simple“ Bewegungen (wie etwa Vorwärtsschritte) in Deiner Notation betrachte, so führt dies meiner Einschätzung nach zu nichts.
    Spätestens ab etwa dem dritten Lebensjahr haben die meisten von uns gelernt „vorwärts“ zu gehen.
    Doch hilft mir das Studium Deiner Notation dabei, folgendes Ergebnis (des Vorwärtsgehens) [https://www.youtube.com/watch?v=FeuMGbonuhU] zu „erlernen“?
    Wo lägen in Deiner Notation die gravierenden Unterschiede zwischen Ney Melo und den ersten tapsigen Schritten eines Babys?
    Wo und bei wem, haben Jennifer und Ney wohl genau die vielen einzelnen Kleinigkeiten „gelernt“, die notwendig sind, um so zu gehen? Und gibt es nicht auch viele völlig andere Versionen, wie man ebenfalls im Tango „gehen“ kann? Selbst die Bewegungen beim „gehen“ halte ich bereits für viel zu komplex, als dass einem eine Notation dafür gelingen könnte. Ganz zu schweigen davon, dass Notation einem dabei hülfe, die Bewegungen zu „erlernen“.
    A posteriori musste ich immer wieder festgestellt, dass mir weder Kurznotationen noch Prosa dabei helfen, Bewegungen so auszuführen, so dass sie hernach vom mir „getanzt“ werden können.
    Selbst Videos helfen mir erst heute (als sehr fortgeschrittenem Tänzer) dabei, Dinge ohne die körperliche Erfahrung während des Zusammenspiels mit einer Tanzpartnerin zu „erlernen“.
    Die gemeinsame körperliche Erfahrung mit einem guten Tänzer und guten Didakten (das zusammen ergibt gute Lehrer) – in einer Übungssituation – ist vermutlich die effektivste Methode, um Bewegungen in ihrem Grundstadium zu erlernen. Danach hilft nur Praxis, Praxis, Praxis.
    Hier zwei Beispiele des Tänzers Max (den ich nie persönlich getroffen habe):
    Beispiel 1 [https://youtu.be/yYKIBiQlzZE?] nach einem Jahr des tanzens.
    Beispiel 2 [https://youtu.be/kkkwoJPg9d4?] nach vier Jahren des tanzens.
    Sind die Schritte im Beispiel zwei etwa die „selben“ oder nur die „gleichen“ oder etwa ganz „andere“ als die aus dem Beispiel eins?
    Hätte Max im ersten Jahr seine Schritte „notiert“, wären ihm seine Aufzeichnungen des ersten Jahres im vierten Jahr etwa noch nützlich?

    Ich weiß nicht, ob der nun folgende Vergleich eine gute Idee von mir ist…
    Aber wäre eine Notation der Schritte dieser Bewegungen [https://www.youtube.com/watch?v=8q2hcCE7raU] nicht ebenso sinnlos, wie die Notation der Schritte folgenden Tanzes? [https://www.youtube.com/watch?v=LPquZDq2wzQ]?
    Ich denke, dass es sowohl beim Tanzen als auch beim Basketball darauf ankommt, den jeweiligen Gegenüber zu lesen und auf dessen Reaktionen mit eigenen Gegenreaktionen zu antworten. Dabei ist man beim Basketball in Gegnerschaft, beim Tanzen hingegen in einer Partnerschaft mit dem Gegenüber.
    Da man in keinem der beiden Fälle die jeweilige Reaktion des anderen vorhersehen kann, bedarf es zu jedem einzelnen Zeitpunkt einer jeweils angepassten Antwort. Daraus ergibt sich dann „Dialog“.

  2. Edgar

    Hallo M.B.,
    danke für deinen Kommentar und die Links zu den Videos. Ich finde deine Worte sehr nachdenkenswert.
    Sicher hast du Recht damit, dass sich die Qualität der Bewegungen mit den eigenen Tanzjahren ändert.
    Und die Maxime “Praxis, Praxis, Praxis” hilft bestimmt.
    Mir hat mal eine Tanzlehrerin gesagt, mein Körper kenne die Bewegung schon, ich sollte nicht soviel nachdenken, sondern einfühlsam tanzen.
    LG*Edgar

  3. Edgar

    Lieber Gerhard Riedl, auf den Link “Tango-Notation” am Ende dieses Beitrages klicken, da gibt es dann auch die “Show”.

  4. Hab ich ja gemacht – ach, das ist dann die “Show”?

  5. Lieber Edgar, ich bin ein anderer Lerntyp als du. Schrittnotationen, welchenSystems auch immer, machen mich eher wuschig. Entweder lerne ich was im Koppe oder nicht. Aber ich wünsch Dir viel Glück mit Deiner Art.
    Schönen Gruß aus Berlin
    Thomas

  6. Sehr geehrter Herr Franzmann, lieber Edgar,

    zufällig stolperte ich über über Ihren/Deinen Beitrag zur Tangonotation vom 11. April 2018. Mein Name ist Rainer Klement, ich bin Hamburger und beschäftige mich seit mehr als 25 Jahren mit dem argentinischen Tango und auch mit den Problemen einer Tangonotation.

    Im Jahr 2008 habe ich gemeinsam mit meiner Tanzpartnerin Maike Christen “ein paar Zeilen” zu diesem Thema geschrieben. Ich habe ein PDF beigefügt, das Sie/Dich vielleicht interessieren könnte. Mit dem in unserem Beitrag angesprochenen System habe ich die besten Erfahrungen gemacht und arbeite mit meiner Tanzpartnerin sehr intensiv damit. Ich kann tatsächlich „vergessene Elemente“, auch nach mehr als 10 oder 20 Jahren, kurzfristig rekapitulieren und schreibe inzwischen relativ zügig Figurensequenzen, auch in anspruchsvollen Unterrichten, mit.

    Sie schreiben:
    „..Wenn ich Maestros und Maestras gefragt habe, bekam ich nur ausweichende Antworten. Sie benötigten keine Kurzschrift, sondern wüssten Bescheid, wenn sie die korrekten Begriffe benutzten….“
    Das habe ich auch gehört.

    Tatsächlich stellt sich die Frage, ob eine Tangonotation sinnvoll ist und wenn ja, in welcher Form. Leider ist das Thema, soweit ich das überblicken kann, noch nicht vollständig erforscht; vielleicht ändert sich dies ja eines Tages.

    Inzwischen verstehe ich die Antworten der Maestros und Maestras, weil mit bestimmten Begriffen wie z.B. „Rechtsdrehung, Einstieg mit rechts“ anschließend „crossed Basic zum kleinen Kreuz der Frau“ sowie anschließendem FrontboleoRechts der Geführten“ tatsächlich alles beschrieben und kombiniert werden kann. Dies setzt allerdings eine gewisse Erfahrung, ja vielleicht kann man es auch „Ausbildung“ nennen, voraus.

    Aktuell verfolge ich sehr intensiv das von Gustavo Naveira und Giselle Anne in den USA angebotene „Programa Progresivo (www.bouldertangostudio.com), ein sich fortentwickelndes Tango-Tanz-Lehrprogramm. Es könnte sein, dass die teilnehmenden Schüler tatsächlich kein „Tangonotationssystem“ benötigen, sie lernen von Grund auf die entsprechenden Tanzelemente, ihre Ausführung, Bedeutung und Kombinationsmöglichkeiten und benutzen die „korrekten Begriffe“, die eindeutig sind und mit denen jeder etwas anfangen kann.

    Ich wünsch Ihnen/Dir viel Erfolg bei der Suche nach einem Notationssystem. Ich glaube, ein solches macht nur Sinn, wenn es international eingesetzt werden kann. Vielleicht hören wir ja irgendwann einmal von einem solchen „Projekt“. Warten wir es ab.

    Liebe Grüße
    abrazo
    Rainer Klement
    http://www.tangoexperten.de

    PDF zu Tangostruktur und Tangonotation: http://abrazos.de/wp-content/uploads/2018/04/schwitzen.pdf

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